Mein erster Eindruck nach 3 Monaten Enyaq

  • Hallo, nach vielen Jahren Passat (Dienstwagen) fahre ich seit Januar 26 einen Enyaq RS (Softwareversion 5.6, Vollausstattung, 20" Räder).
    Anbei meine ersten Eindrücke:


    Positiv:

    + Fahrgefühl, Agilität, Beschleunigung, Lautstärke - das Fahren macht richtig Spass!

    + Innenraum Qualitätsanmutung


    Negativ:

    - Die reale Reichweite im Winter ist erschreckend gering, Autobahn mit Tempomat 110 km/h (durchschn. Geschwindigkeit = 98 km/h), bei 270 km war Schluss (von 80% auf 8%, Klimaanlage ausgeschaltet). Dem gegenüber steht eine WLTP-Angabe von 580 km! Was passiert, wenn ich schneller fahren möchte?

    - Bei eingeschaltetem TravelAssist nervt die Lenkrad-Warnung. Nur wenn beide Hände vollständig das Lenkrad fest halten, ist Ruhe. Wie in der Fahrschule. Ohne TravelAssist ist der Enyaq wesentlich toleranter - da reichen auch 3 Finger.

    - Der Spurhalte-Assistent hat Schwierigkeiten mit sehr schmalen Strassen. Er zieht immer in die Straßenmitte. Kenne ich schon vom Passat. Habe die Deaktivierung als Favorit abgelegt, leider nervt hier die Nachfrage " Möchten Sie wirklich abschalten?" - ein sinnloser Klick mehr.

    - Die Kennzeichenerkennung ist deutlich schlechter als beim Passat. Scheinbar überstimmen falsche Kartendaten die per Kamera erkannten Schilder.

    - Das ausgewählte DCC-Fahrprofil ist nach jedem Neustart weg - steht immer wieder auf Standard.

    - Der Enyaq wirkt im Vergleich zum Passat etwas poltriger auf schlechten Straßen und unruhiger bei hohen Geschwindigkeiten (Fahrstabilität bei 180 km/h).

    - Der Schlüssel ist eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Passat. Die Tasten sind kaum zu fühlen (bei "Blindbedienung" aus der Jackentasche) und funktionieren sehr unzuverlässig - zu Teil mehrfach drücken notwendig, sehr kurze Reichweite.

    - Habe bereits mehrfach Probleme an öffentlichen Ladesäulen gehabt, Verbindungsaufbau abgebrochen bzw. ganz schlechte Ladeleistung (< 5kW). Wechsel an eine andere Säule behob jedesmal das Problem.


    Mein bisheriges Fazit: Durchwachsen, ich tendiere wegen Reichweite und praktisch fahrbarer Geschwindigkeit (nur noch im Schleichmodus, um anzukommen) eher zum Verbrenner.


    Fragen:

    Winterreichweite:

    Decken sich meine Ergebnisse (< 300km bei sachter Fahrweise im Winter) mit euren Erfahrungen oder hat mein Fahrzeug einen zu hohen Verbrauch (Defekt, unfähiger Fahrer)?


    Lenkrad-Warnung:

    Gibt es hier ähnliche Erfahrungen? Sind meine Hände einfach zu trocken (eincremen, befeuchten?)


    Ladesäulen:

    Habe ich Pech mit den Ladesäulen gehabt (Säulen defekt) oder gibt es bekannte Probleme beim Verbindungsaufbau und Aushandeln der Ladeparameter? Mach mir Sorgen, was passiert, wenn der Akku nahezu leer ist und keine 2. Säule in der Nähe ist.

  • Zur Winterreichweite: du nutzt also lediglich 72 Prozent der Akkukapazität aus, vergleichst aber mit der (auf 100 Prozent basierenden) WLTP-Angabe?


    Ist das irgendein Trick, um unser Leseverständnis zu testen?

    Enyaq iV 80 seit 26.04.2023:


  • Die Reichweite kommt mir plausibel vor. Im Winter kann man bei durchschnittlicher Fahrweise etwa 30% vom WLTP Wert abziehen, das kommt exakt hin.

    Der RS mit Vollausstattung und 20 Zoll Felgen liegt bei 540 km WLTP laut Skoda Konfigurator. Bei 100% auf 0% wärst du 375 km weit gekommen. Das sind ziemlich genau 70% von 540 km.

  • Reichweite im Winter ist im Rahmen des erwartbaren. Wenn Du Langstrecke fährst, lade vorher auf 100%, dann kommst Du auch über 300 km (aber nicht sehr viel). Im Sommer kommst Du dann aber, mit der von Dir beschriebene Fahrweise, an die 500 km.

    Handerkennung ist etwas zickig, wenn das Symbol im Mäusekino aufleuchtet kurz etwas fester drücken und gut ist.

    Mit den Ladesäulen wirst Du wohl überdurchschnittlich Pech gehabt haben (zumindest wenn die anderen Säulen gleich richtig losgelegt haben) Im Winter spielt, neben dem Ladestand natürlich die Akkutemperatur eine entscheidende Rolle für die Ladeleistung nach dem Anstecken. Akkuvorkonditionierung je nach Außentemperatur 30 … 45 Min vor dem Ladestopp starten, wenn Du nicht mit dem integriertem Navi unterwegs bist.

  • 1. Winterreichweite: Ich bin bei im Dezember bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 100 km/h (also TA auf 120 km/h eingestellt) knapp 300 km weit gekommen (von 100 auf 5%). Du bist ja wie @e-swimmer77 schon geschrieben bei 80% losgefahren…

    2. Bei Travel-Assist reichen bei mir 3 Finger unten am Lenkrad

    (meistens😉)

    3. Das sich DCC nach Neustart immer auf Standard stellt, scheint eine rechtliche Vorgabe zu sein (Fahrzeug wurde auf Standard homologiert).

    4. Probleme beim Laden hatte ich 1-2x, ich lade aber fast ausschließlich AC beim AG.

    RS Coupé FL, Raceblau, Maxx-Paket, Transport-Paket, AHK, RS-Lounge

    Sommer: 21-Zoll, Winter: 20-Zoll

    Bestellt im Juni 2025, EZ 27.11.25

  • Moin

    Mein bisheriges Fazit: Durchwachsen, ich tendiere wegen Reichweite und praktisch fahrbarer Geschwindigkeit (nur noch im Schleichmodus, um anzukommen) eher zum Verbrenner.

    Nach drei Monaten ? Dann erübrigen sich doch die Fragen eigentlich schon wieder.


    WLTP ist ein Prüfstandsverfahren über 30 Minuten, der sog. Schnellfahranteil geht zwar bis über 130 km/h, dieses aber nur für wenige Sekunden, im Mittel werden in diesem Teilzyklus 94 km/h erreicht und das über 323 Sekunden (von 1800 des gesamten Zyklus, über deren gesamte Dauer mit nur 47 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit). Und das nicht draußen mit Winterreifen, sondern bei 23° .


    Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure – Wikipedia


    Im Winter kommen ein paar Störeinflüsse, die es zwar - bis auf den höheren Innenwiderstand des kalten Akkus - so auch beim Verbrenner gibt (Rollwiderstand der Winterreifen, Luftdichte, ggf. Luftfeuchtigkeit durch Regen oder Nebel), die aufgrund von dessen Ineffizienz - der setzt etwa 65-70% der eingesetzten Energie nur in Wärme um - zwar bemerkt werden, aber nicht für so große Schwankungen sorgen. Und nebenbei sorgt die Abwärme des Verbrenners für die Heizung, während der Enyaq dafür eine Wärmepumpe und eine elektrische Heizung bemüht, die ihrerseits Energie verbrauchen (aus dem Akku).

    Der Akku selbst wird im Fahrbetrieb nur unterhalb von -5° beheizt (schaltet bei 0° dann wieder ab), oder bei Einplanung eines Schnellladesäule als Ziel oder Zwischenziel. Geht auch manuell, aber dann wüsste man es ja.


    Wenn Du mit 72% (von 79kWh) 270km weit gekommen bist, dann waren das etwa 21 kWh je 100km und für die Bedingungen kein so ganz schlechter Wert. Wenn man das mit dem Heizwert in Diesel umrechnet, knapp 2.2 Liter. Wird schwierig mit dem Passat, der deshalb einen erheblich größeren Energievorrat mitschleppt.


    4kW an der Ladesäule hört sich nach einer AC-Ladesäule an. Die kann zwar i.d.R. mehr, wenn die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Säule nicht korrekt läuft, fällt die auf die Größe (3.6 kW) zurück. Die LED am Ladeanschluss des Fahrzeugs sollte dann wechselnd grün und rot blinken. Hatte ich bis jetzt nur 2x (direkt hintereinander an demselben Ladepunkt, nach Wechsel auf den zweiten Ladepunkt derselben Säule war das Thema durch). Es trat bisher an der Ladesäule auch nicht mehr auf.


    Störungen an CCS-Ladepunkten hatte ich schon (Hallo E.ON … ), aber dann ging entweder gar nichts, oder Abbruch noch vor irgendeiner Ladung.


    Das Auto fährt auch mit 0% noch weiter und eben nicht nur ein paar hundert Meter, aber wenn man das unterwegs nicht erleben will, vielleicht keine einzelnen Säulen einplanen, soweit möglich. Kann am Ziel sicher auch mal schwierig werden und nicht nur in Dörfern, ist aber in D wohl meistens ein lösbares Szenario.


    Eine Kennzeichenerkennung hat mein 2023er Enyaq nicht. Die Verkehrzeichenerkennung ist aber unauffällig, Phantombremsungen habe ich bisher nur auf der Tiefgaragenausfahrt genossen und das hat andere Gründe.


    Gruß

    K.R.

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