Hallo zusammen
Morgen, Montag, sind es genau 1234 Tage seit ich den Enyaq entgegen nehmen konnte.
Ich nutze diese Schnappszahl um auf die vergangenen rund 3.5 Jahre zurückzublicken und Fazit zu ziehen.
Ich habe dazu kein Skript verfasst, schreibe einfach auf, was mir so in den Sinn kommt.
Rückblick Kauf und Lieferung
Ich hatte im Dezember 2021 bestellt und schon damals war die Lieferzeit etwas unsicher aufgrund der Chipkrise.
Dann kam auch noch der Ukraine-Krieg dazu und die Skoda-Fabrik in Mlada Boleslav stand wochenlang still.
Das führte dazu, dass ich den Enyaq erst nach über 400 Tagen übernehmen konnte.
Da ich noch ein Auto hatte, dass ich einfach noch länger fuhr, war das kein so grosses Problem und ich fühlte mich auch immer gut vom Autohaus betreut. Jenes konnte ja auch nichts dafür.
Anfangs Februar 2023 war es dann soweit; ich fuhr mit meinem Touran zum Händler und kehrte mit dem Enyaq zurück.
Vorbereitung vor Übernahme
Ich habe schon das eine oder andere Auto gekauft, aber noch nie hatte ich mich so gut vorbereitet.
Vor der Bestellung habe ich mich rund 1.5 Jahre intensiv mit Elektroautos auseinander gesetzt. Was bringt es? Passt das zu meinem Profil? Ist es finanziell sinnvoll? Ist es umwelttechnisch sinnvoll? etc.
Nach der Bestellung hatte ich dann wie beschrieben über ein Jahr Zeit mich konkret auf den Enyaq vorzubereiten.
Vielleicht auch daher hatte ich nicht all zu viele Überraschungsmomente seit ich Enyaq fahre.
Platzangebot
Damals eines der wichtigsten Kriterien und das ist es noch heute.
Und da passt der Enyaq immer noch sehr gut.
Meine 3 mittlerweile erwachsenen Töchter passen immer noch nebeneinander in die 3. Sitzreihe und das Gepäck für 2 Wochen Sommerferien zu fünft in den Kofferraum.
Den Trunk habe ich bisher nicht vermisst.
Laden zuhause
Im Alltag lade ich den Enyaq an der Wallbox in der Einstellhalle. Keiner der Nachbarn hatte ein Problem mit der Installation.
April bis Oktober eigentlich nur über Überschussladen der PV-Anlage, im Winter schaue ich, möglichst im Niedertarif zu laden.
Selbst in Hochtarif kostet mich der reine Wasser- und Solarstrom der Gemeindewerke 29 Rappen/kWh.
Basierend auf den Realverbräuchen des Vorgänger-Tourans und den aktuellen Dieselpreisen kann ich sagen, dass alles unter 70 Rappen/kWh mir Geld einspart.
Ja, ich bin in der glücklichen Lage zuhause zu laden. Aber in der Vorbereitung habe ich mich auch mit öffentlichen Ladesäulen in der Gemeinde befasst.
2 AC-Ladepunkte liegen nur gerade 5 Minuten Fussmarsch Richtung Süden. 2 weitere AC Ladepunkte ca. 7 Minuten Richtung Nordosten.
Im Dorf gibt es ein HPC-Lader mit 2 Anschlüssen (ca. 10 Minuten) und noch 4 weitere AC Lader.
Dazu noch 4 Lader im Industriegebiet beim Aldi und ein 50kW Lader beim Lidl.
Das Laden zuhause ist natürlich bequem. Das Auto steht eh da und ich brauche null Aufwand dafür. Und gleichzeitig spart es Geld.
Da meine Frau es gehasst hatte, den Verbrenner zu tanken, musste ich hin und wieder extra darum zur Tankstelle fahren.
Tanken geht schnell, ja ... aber im Laufe eines Jahres hat es mich doch mehrere Stunden gekostet, welche ich jetzt nicht mehr aufwenden muss.
Laden unterwegs
Eigentlich habe ich recht gute Erfahrungen gemacht und wenig Probleme gehabt.
Einzig zwei Ladesäulen wollten nicht so wie ich wollte und einmal musste ich mir wegen Überlastung des Ionity-Ladeparks eine andere Säule suchen.
Trotzdem halte ich dies in der Tat für das grösste Hindernis für die Elektromobilität.
Mit verschiedenen Ladepreisen kann ich umgehen - das war ja an den Tankstellen früher auch so.
Aber die Differenzen je nach dem wie man bezahlt, sind Wahnsinn!
Natürlich muss man die Kirche im Dorf lassen - wir fahren als 5-köpfige Familie in den Skiurlaub was mehrere Tausend Euros für Unterkunft, Verpflegung, Skiabo, Skimiete, etc. kostet.
Eigentlich erscheint es lächerlich sich dann darüber aufzuregen, dass man 60 Euros für das Laden bezahlt hat anstatt 30 Euros, einfach weil man das beste Ladeabo für die Säule nicht hatte.
Verglichen zu den Gesamtkosten des Urlaubs ist es eigentlich vernachlässigbar, aber man fühlt sich halt trotzdem über den Tisch gezogen.
Ladepausen
Seit ich mich mit Elektroautos befasse, ist das Thema Ladezeiten in den Medien.
Und je länger ich mich damit befasse desto weniger verstehe ich es.
Ich brauche alle 2-3 Stunden eine Pause beim Autofahren und das passt beim Enyaq perfekt.
Umstellung brauchte es nur, dass wir jetzt die Pausen nicht mehr unbedingt an meinen alten Stammplätzen stattfinden.
Und eigentlich immer fand ich eine Ladesäule, wo ich gleichzeitig Einkaufen oder mich verpflegen konnte - damit habe ich nie wirklich Zeit verloren.
Naja, vielleicht einmal wo eine Ladesäule nur im Industriegebiet verfügbar war, wo es wirklich nichts gab.
Unterhalt
Hier verhält sich mein Enyaq nicht gross anders als seine Verbrenner-Vorgänger.
Die Idee, dass ein Elektroauto weniger unterhalt braucht, kann ich nicht bestätigen.
Gemäss meinen Kontobuch habe ich im Schnitt für den Enyaq was Wartungs- und Unterhaltskosten betrifft ungefähr das Gleiche ausgegeben wie für die früheren Autos in der selben Zeit.
Das dürfte gerne weniger sein - aber ich denke, das denkt jeder Autobesitzer über sein Auto.
Software
Das ist die Schwachstelle von Skoda und ich bin nicht immer ganz glücklich. Speziell was die automatischen Geschwindigkeitsanpassungen angeht.
Andererseits habe ich mittlerweile gelernt damit umzugehen und das meiste vom Rest ist ok.
Ok, die Sprachsteuerung ist mehr oder weniger unbrauchbar. "Nach Hause" und "Zur Arbeit" funktioniert relativ gut, wenn man dem System genug Zeit zum booten gibt.
Also frühestens 5 Minuten nach Start versuchen! Früher und alles andere funktioniert aber zuverlässig nicht!
Wie weiter?
Ich gehöre zu den Wenigen, welche das Auto tatsächlich gekauft haben. Also werde ich den Enyaq noch ein paar Jahre nutzen und sehe keinen Grund wieso nicht.
Natürlich schaue ich weiter auf Weiterentwicklungen - man weiss ja nie.
Aber der Enyaq macht nach wie vor einen guten Job.
Fazit
Ich bin nach wie vor zufrieden mit meiner Wahl.
Ich habe es an anderer Stelle hier im Forum schon geschrieben - der Enyaq ist wirklich nicht mein Traumauto.
Aber er war und ist immer noch das Auto, dass die meisten meiner Anforderungen erfüllt!
Als Beispiel: Ein 800V-System wäre nett und ich würde es gerne mitnehmen. Aber es ist kein Muss-Argument und käme erst nach diversen anderen Anforderungen.
Andere Beispiele wären Frunk, automatisches Parken, weitere Softwarespielereien, etc.
Diese gehörten und gehören nicht zu meinen MUSS-Anforderungen - und daher passt der Enyaq noch immer gut.
Und dass ist der Tipp denn ich jedem geben kann - sucht Euch das Auto nicht nur aufgrund der letzten technischen Innovation aus!
Das erwähnte 800V-System würde für mich, meinen Anforderungen und meinem Fahrprofil vielleicht maximal 1-2 im Jahr einen Unterschied machen.
Überlegt auch was ihr wirklich braucht und was für Euer Fahrprofil wichtig ist.
Und das ist der Grund wieso ich immer noch mit ihm zufrieden bin.
Für Nachfragen, einfach auf diesen Post antworten.
Joe