Ich halte nichts von solchen Vergleichsfahrten. Natürlich ist der Verbrauch auf der Straße letztendlich das, was den Kunden interessiert. Aber Einflüsse wie Windrichtung (Mitwind/Gegenwind), Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Temperatur wirken sich bei einem effizienten System wie dem Elektroantrieb sofort spürbar aus.
Und genau aus diesem Grund, zum Vergleich verschiedener Fahrzeuge wird der WLTP-Wert ermittelt. Ein einheitliches Messverfahren, bei dem solche Schwankungen weitgehend ausgeschlossen werden. Das hat natürlich mit dem Verbrauch auf der Straße nichts mehr zu tun. Wenn man Fahrzeuge einfach so vergleichen könnte, bräuchte es dieses ganze Messverfahren nicht. Das verstehen viele Leute nicht, da sie gerne einfache Antworten auf schwierige Fragen (was verbraucht der denn so?) haben wollen.
Ich halte von Angaben, wo Fahrer ihre persönlichen Verbrauchswerte für eine bestimmte Fahrt nennen, als Vergleichsgrundlage ebenfalls nichts. Bestenfalls sind die mal "interessant", wenn z.b. jemand unter besonderen Bedingungen ganz viel oder ganz wenig verbraucht hat.
Die Bedingungen sind schlichtweg, wie du es bereits aufgezählt hattest, nicht annähernd gleich. und daher sind die Ergebnisse auch nicht zu vergleichen.
Interessant sind für mich dagegen Verbrauchsangaben, die auf den Durchschnittsverbräuchen einer größeren Anzahl von Fz basieren. Wenn ich bei spritmonitor für den iV60 bei 20 Fz einen Durchschnitt von 20,6kWh/100km lese, ist das mit anderen Fz durchaus schon ganz gut vergleichbar. Natürlich hat jeder dieser 20 Fahrer andere Fahrbedingungen, aber das gleicht sich bei 20 Fz schon etwas aus.
Interessant finde ich auch einzelne Angaben von Anwendern zum Verbrauch, wenn diese sich auf eine kürzere Strecke mit Konstantgeschwindigkeit (Tempomat) beziehen und die äußeren Bedingungen (möglichst ebene Fahrbahn, keine Feuchtigkeit, kaum Wind) dabei gut sind.
So etwas ist ebenfalls ganz gut vergleichbar, da der Faktor Fahrweise (Mensch...) ausgeklammert ist.
Der Titel dieses Threads lautet ja:
"....Reichweite und Verbrauch..."
das ist beim E-Auto komplizierter, als beim Verbrenner.
Beim E-Auto wird von Anwendern meist lediglich die der Batterie entnommene Energie als Grundlage für den Verbrauch genannt, weil diese im Fz einfach ab zu lesen ist.
Beim WLTP wird der "Verbrauch" des E-Autos dagegen quasi ab Steckdose des Fz ermittelt.
Da müsste man bei Vergleichen schon unterscheiden bzw. sich auf eine Methode einigen.
Beim Verbrenner ist das irrelevant, da ausschließlich der Verbrauch ab Tankstutzen zählt und eine eventuell vorhandene Tankanzeige im Fz entsprechend genau angepasst werden könnte. maßgeblich ist dabei ausschließlich, was die Tanksäule anzeigt.
Die Reichweitenermittlung ist beim E-Auto auch so eine Sache.....
Wenn man beim E-Auto einen Durchschnittsverbrauch (auf Basis der entnommenen Energie) festgestellt hat, kann man diesen nicht einfach durch den Nettoenergieinhalt des Akkus teilen, mal 100 nehmen und erhält dann die maximale Reichweite, so wie es analog bei Verbrenner-Tests gemacht wird und dort völlig ok ist.
Wieviel Netto-Energie bei voll geladenem Akku tatsächlich zur Verfügung steht, weiß man halt gar nicht so genau.....zudem ist auch die entnehmbare Energie von der Fahrweise abhängig.
AMS führt die Reichweitenermittlung ganz simpel und nur mit minimalem Messaufwand aus:
Der Verbrauch (es werden unterschiedliche Verbräuche für unterschiedliche Fahrprofile ermittelt) wird ausschließlich, inkl. aller Ladeverluste, mit AC-Ladung bestimmt und die Reichweite wird mithilfe einer Vollladung inkl. aller Ladeverluste ebenfalls mit AC-Ladung bestimmt, wobei die Ladung, laut AMS, beginnt, wenn das Fz die Restreichweite 0km anzeigt und/oder entsprechende Warnungen angezeigt werden.
Wie groß die internen Verluste sind, interessiert dabei angenehmer Weise gar nicht....
Diese Art der maximalen Reichweitenbestimmung berücksichtigt u.a. automatisch z.b. einen kleineren Netto-Energieinhalt des Akkus, als vom Hersteller angegeben.
Von daher: sehr einfach, sehr realitätsnah und, zumindest bei identischer Temperatur, gut mit anderen e-Autos vergleichbar.