Hatten wir in der Vergangenheit Vorteile von Lieferkettenverlagerung in Billiglohnländern? Nein, den Profit haben die Firmen selbst eingesteckt und an ihre boards of managing directors verteilt. Und aktuell: steht von diesen Typen jemand auf und sagt er hätte einen strategischen Fehler gemacht???
Ob die Verlagerung in Billiglohnländer tatsächlich nur als Profit in den Vorstandsetagen gelandet ist, bliebe zu beweisen! Denn das würde ja heissen, dass wir auch ohne Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer die gleichen Preise zahlen würden, die wir heute (mit Verlagerung) zahlen. Das ist sehr unwahrscheinlich.
Es ist sicherlich verlockend, immer auf die "Profitgier" der Manager (wahlweise Firmen, oder Aktionäre) zu schimpfen. Aber meistens wird es den Firmen um mehr Umsatz, mehr Absatz und eine größere Marktabdeckung gehen. Mehr Umsatz, mehr Absatz und größere Marktabdeckung erreicht man über neue Käuferschichten. Und neue Käuferschichten erschliesst man nicht, indem man ausschliesslich das Gehalt von 10 Managern erhöht, oder eine höhere Dividende an die Aktionäre ausschüttet. Neue Käuferschichten erschliesst man in der Regel, indem man mehr Produkte zu Preisen anbietet, die sich mehr Leute leisten können - in der Regel wird das "billiger sein" bedeuten.
Wenn ich mir ansehe, wie viele Autos es 1970 gab und wie viele Autos es heute gibt, dann scheinen sich in den vergangenen 50 Jahren immer mehr Leute ein Auto leisten zu können. Ich vermute also, dass die Einkommen stärker gestiegen sind, als die Preise. Natürlich werden auch Autos immer teurer, aber es liegt zumindest die Vermutung nahe, dass Autos insgesamt "leistbarer" sind, als vor 30, 40, 50 Jahren. Und dieses "leistbarer" kommt von irgendwoher.
Auch ich kann so manches CEO Gehalt nicht nachvollziehen. Auch ich wundere mich, wenn der Inhalt einer Garage mitunter mehr kostet, als das Haus drumherum. Ich gehe aber nicht davon aus, dass sämtliche Kostenvorteile in die Taschen einer handvoll Firmenlenker fliessen.