Meine bescheidene Meinung dazu ist, dass dem VW-Konzern vermutlich kaum etwas besseres passieren konnte.
Das klingt im ersten Moment merkwürdig aber ich versuche das etwas aufzulösen.
Historisch betrachtet, hat der Konzern schon ein paar Mal ins Klo gegriffen (z.B. Sparzwang unter Hr. Lopez, kreative SW-Lösung für NEFZ-Verbrauch), dennoch hat der Konzern bis heute überlebt und das nicht schlecht. Es ist kein Garant für die Zukunft, aber alles in allem gibt es sehr viele Kunden am Markt die dennoch gern zu einem Produkt aus diesem Hause greifen. Sprich auch jetzt ist meiner Meinung nach nicht unbedingt davon auszugehen, dass die Kunden mit diesem Problem in Scharen davon rennen werden.
Wenn so etwas wie die Gründung von CARIAD, schwerfällig läuft (auch weil gewiss viele Silos eingerissen werden müssen) und die daraus entstehenden Produkte nicht der Erwartung entsprechen, so kann dies zu einem gewaltigen Umschwung führen um zu zeigen, dass man es besser kann und weil auf Grund der öffentlichen Wahrnehmung auch von Seiten des Management die Weichen richtig gestellt werden und gewisse Akteure im Konzern sich nicht mehr verstecken oder heraus reden können. Denn das es nicht funktioniert wie gedacht sieht man aktuell.
Zum Schluss kann ich noch ein schönes thematisches Beispiel geben. BMW hat beim E65 (der ersten 7er mit iDrive) die SW-Entwicklung aber vor allem Integration zu einem Gesamtwerk ziemlich in den Sand gesetzt. Es gab lange massive Probleme, allerdings hat dieses Drama dazu geführt, dass die gesamten Entwicklungsprozesse für SW überarbeitet wurden. Es wurde erkannt, das es wichtig ist und besserer Rahmenbedingungen benötigt. Im Endeffekt mach 20 Jahren Entwicklung ist BMW neben Tesla aktuell der einzige Hersteller, der wirklich größere Mengen Fahrzeuge produziert und von jedem Steuergerät im Systemverbund die Codezeilen nach Produktion ändern kann. Aber es hat gedauert da hin zu kommen.