Dann sollte man sich fragen, wie genau die Angaben (Schätzungen) der Verbrauchsmessung im Auto tatsächlich sind.
Hat der ADAC vorher genau prüfen können, ob die Batterie wirklich nur die 5kWh Sicherheitsreserve drin hatte? Oder liess sich der Akuu sogar bis auf 2kWh leer fahren? Wer weiß das? Der Ladeverlust ist von noch mehr Faktoren abhängig, und auch der angezeigte Verbrauch kann nur eine Schätzung sein. Ebenso die Frage, hat der ADAC die Lademenge nur an der Wallbox abgelesen, oder einen geeichten Zähler davor (dann wäre der Eigenverbrauch der Wallbox auch noch zu ermitteln und abzuziehen) oder dahinter verwendet? Da sind so viele Unwägbarkeiten drin. Musste der interne AC-Lader die Lüfter anwerfen, war die Akku-Temperatur optimal? Musste der Akku erwärmt werden? War er zu heiß gefahren vorher, um ihn leer zu bekommen? ….liesse sich fortsetzen.
Daraus einen Wirkungsgrad auf die Kommastelle genau zu berechnen, ist für mich sinnfrei.
Ich für mich handhabe es so: Wallbox oder HPC zeigt mir, was ich verbraucht habe, das durch die km zeigt mir meinen persönlichen Verbrauch. Denn zahlen muss ich auch die Ladeverluste, die für die Strecke anfallen. Den Eigenverbrauch der Wallbox schiebe ich mal gedanklich in sonstige Autokosten. Und beim HPC zahle ich die Kosten des HPC über den Strompreis.
Dann nimm doch einfach die WLTP-Angaben.....vielleicht traust den dortigen Testmethoden ja etwas mehr, als denen des ADAC.
Ich habe hier die Angaben einer konkreten Enyaq iV80 Konfiguration zur Verfügung:
der angebene kombinierte WLTP-Verbrauch beträgt dort 16,5Wh/100km
die angegebene kombinierte WLTP-Reichweite liegt bei 522km
Die Reichweite wird durch den erzielten Bordverbrauch im WLTC-Zyklus errechnet. Der Bordverbrauch wird dabei durch direkte Messung zwischen Batterie und Motor ermittelt, also keine eventuelle Ungenauigkeiten durch die Bordsensorik.
Die zur Verfügung stehende Batterieenergie wird durch komplettes Leerfahren und die direkte Messung zwischen Batterie und Motor ermittelt.
Diese Energie wird durch den durch Messung (s.o.) ermittelten Bordverbrauch in der kombinierten WLTC-Phase geteilt und man erhält die kombinierte WLTP-Reichweite.
Wie groß die durch die Batterie zur Verfügung stehende Energie laut Messung war, erfährt man leider nicht. Den ermittelten Bordverbrauch in der kombinierten WLTC-Phase erfährt man dadurch leider auch nicht.
Aber man kann ja selbst rechnen und die real zur Verfügung stehende Batterienergie ansetzen, die der Hersteller nennt. Beim iV80 sind das bekanntlich 77kWh.
Wenn man diese Energie als Grundlage nimmt, bekommt man durch die Angabe der 522km kombinierter WLTP-Reichweite einen kombinierten Bordverbrauch von
77kWh/522km* 100 = 14,75kWh/100km heraus.
Das ist dann der kombinierte WLTP-(Bord)verbrauch, sofern die 77kWh netto, die der Hersteller nennt, stimmen sollten.
nach Beendigung des WLTP-Test ist der Akku komplett leer und er wird danach wieder, über AC-Ladung, voll geladen. Die dazu erforderliche Energie wird, vermutlich mit ebenfalls kalibrierten/geeichten Messgeräten vorgenommen.
Danach wird die von der Batterie tatsächlich bereit gestellte Energie (Herstellerangabe 77kWh) in Relation zu der Energie gebracht, die erforderlich war, um die Batterie über AC wieder komplett auf zu laden.
Mit dem Faktor, der sich durch diese Gegenüberstellung ergibt, wird der Bordverbrauch, der für die kombinierten WLTC-Phasen (bei E-Auto zweimal, bei unterschiedlichen Ladezuständen) durch direkte Messung ermittelt wurde, multipliziert.
Direkt können wir das aufgrund der o.a. fehlenden Angaben nicht nachrechnen, aber mit der Unterstellung, dass die Batterie tatsächlich nutzbare 77kWh hat, kann man es zurückrechnen.
Der kombinierte WLTP-Bordverbrauch war demnach 14,75kWh/100km. Die kombinierte WLTP-Verbrauchsangabe ist 16,5kWh.
Daraus ergibt sich ein Wirkungsgrad von AC-Ladetechnik plus Batterie von 14,75 / 16,5 = 0,894, also 89,4%.
Wie gesagt:
Die einzige Ungenauigkeit bei dieser Rückrechnung ist, ob die Batterie tatsächlich 77kWh zur Verfügung gestellt hat, wie es der Hersteller behauptet.
Diese 89,4% sind nicht wirklich weit von den 88,6%, die der ADAC ermittelt hat, entfernt und von daher bin ich mir ziemlich sicher, dass der Wirkungsgrad von AC-Ladetechnik plus Batterie durchaus bei knapp 90% liegt.
Wenn du also auf die Wallbox schaust, sofern die einen Stromzähler hat und alles ansonsten vergleichbar ist...., sollte der dadurch errechnete Verbrauch rund 10% höher sein, als das, was dir deine Bordanzeige als Verbrauch liefert.
Beim DC-Schnelllader wird das eventuell weniger als 10% sein, denn dann fällt der Verlust des Fz-internen AC/DC-Wandlers weg. Mit DC-Vollladung wird m.E. beim WLTP nich getestet.