jodi22
Ich weiß nicht, warum man im Enyaq-Alternativen-Thread gleich so "giftig" reagiert hat. Ich fand es ganz gut, dass du das Thema WLTP vs. Realverbrauch mal so aufgegriffen hast. Der Ansatz, die WLTP-Verbräuche zweier Fahrzeuge zu vergleichen und dann diese Relation auf den realen Verbrauch zu projizieren, ist imho der richtige Ansatz und genau der Punkt, an dem die Klatschpresse gewöhnlich den Absprung verpasst. Der WLTP dient ja nunmal nur zum Vergleich verschiedener Fahrzeuge untereinander. Die Verhältnisse sollten sich dann aber im Realverbrauch irgendwo wiederfinden, sonst kann man sich das ganze im Sinne der Verbraucherinformation auch sparen und den Wert ggf. noch höchstens für die KfZ-Steuereinstufung heranziehen.
Ich denke, um dem ganzen etwas näher zu kommen, müsste man sich genau anschauen, wo das WLTP-Prüfverfahren Freiheiten und Toleranzen in welchem Maße gewährt. Das kommt auf den einfachen Erklärseiten und in den hübschen Erklärvideos der Hersteller und anderen Institutionen nämlich nicht vor. Und dann kommt es auch noch darauf an, wie sehr die einzelnen Hersteller bei der Prüfung ihrer Fahrzeuge diese Freiheiten ausnutzen. Wenn da Reifen auf 4,5bar aufgepumpt und Karosseriespalte abgeklebt werden mag das alles Verfahrenskonform sein, hat aber mit dem realen Zustand später auf der Straße nichts zu tun. Andere Hersteller machen das vielleicht nicht so exzessiv, erreichen dafür aber eine schlechtere WLTP-Einstufung einerseits, eine praxisnähere Verbrauchsangabe andererseits.
Man wird nun freilich nicht herausfinden können, welcher Hersteller wie stark diese gewährten Freiheiten ausnutzt. Also müsste man in einem ersten Schritt erstmal herausarbeiten, welche Freiheiten das Prüfverfahren in welchem Maße gewährt. Solange sich die Hersteller im Rahmen des Prüfverfahrens bewegen, kann ihnen da kein Betrug oder Schummelei vorgeworfen werden. Allzu große Freiheiten, die zu größeren Abweichungen vergleichbarer Fahrzeuge führen müssen ausschließlich dem Prüfverfahren selbst angelastet werden. Evtl. haben bei der Ausgestaltung des Prüfverfahrens auch Lobbyverbände mitgewirkt, die eine engere/genauere Vorgabe verhindert haben.
Letztlich können größere Abweichungen zwischen WLTP und Realverbrauch wohl auf eine agressivere Ausnutzung der vom Prüfverfahren gewährten Freiheiten rückschließen lassen. Es wäre aus meiner Sicht auf jeden Fall erstmal interessant, an welchen Stellen das Verfahren welche Freiheiten gewährt.