Tja, mit moderneren Chips würde dann endlich auch eine Software flüssig laufen. Das wäre dann echt ein positives Kundenerlebnis
Das kann man so leider überhaupt nicht sagen.
Dass Autohersteller ältere Chips verwenden liegt unter anderem an sturen Behörden und starren Zertifizierungsprozessen. Es ist enorm aufwendig eine Änderung an einem bestehenden Design zu rezertifizieren.
Natürlich sind viele Geräte überhaupt nicht sicherheitsrelevant. So ist es nicht entscheidend, ob die Ambientebeleuchtung zuverlässig funktioniert oder nicht. Aber das Motorsteuergerät sollte bitte nicht mitten im Überholvorgang ausfallen. Das ABS Steuergerät möge tunlichst nicht während eines Bemsmanövers neu starten. Der Airbag darf keineswegs einfach mal "peng" machen.
Und selbst vermeintlich unwichtige Dinge sind kritisch. Wenn sich mitten in der Nacht plötzlich alle Fenster öffnen und das Auto am Nächsten Morgen völlig durchnässt ist, ist ein beträchtlicher Vermögensschaden entstanden. Und so weiter und so fort.
Software wird bei praktisch jedem Autohersteller weitgehend nicht von Hand geschrieben. Die wird Tool-unterstützt generiert. Das Problem an dieser Stelle sind die Softwaregeneratoren. Die gesamte Kette von Entwurfswerkzeugen, Entwurfsprozessen, Softwaregeneratoren und Compilern haben in Kombination mit der Hardware (also auch den verwendeten Chips) eine Zulassung erhalten. So eine Zulassung dauert Jahre und kostet viele Millionen.
Wenn nun der Hersteller eines kleinen Spannungswanders für 4 Cent das Stück meint diesen durch den Spannungswandler 2.0 zu ersetzen, dann steht im ungünstigsten Fall ein wieder viele Jahre dauernder und viele Millionen Euro teurer Rezertifizierungsprozess an. Und wenn sie damit fertig sind, kommt ein anderer Zulieferer, der seinen Mikrocontroller durch Version 2.0 ersetzt. Es dürfte klar sein, dass die Hersteller diesen Aufwand nur alle zig Jahre machen wollen. Deshalb müssen die Bauteile im einzelnen möglichst lange verbaut werden können.
Es ist eben nicht, wie in der Unterhaltungselektronik. Wenn da der Router die Daten plötzlich nicht mehr durchleitet, dann kann man halt den Film auf Netflix heute Abend nicht gucken. Aber im Auto entsteht (je nach Risikoklasse) eben ein beträchtlicher Schaden.
Ihr könnt es jetzt beim Enyaq (und der gesamten MEB-Plattform) live und hautnah miterleben. Die Zahnräder greifen momentan noch nicht geschmeidig ineinander. Ihr fühlt euch als Betatester, weil ständig irgendetwas anderes nicht funktioniert und es keine Lösung zu geben scheint. Eine zu gravierende Änderung am Gesamtsystem, zu viele gleichzeitige Baustellen kosten jetzt Produkt- und Funktionssicherheit. Das braucht jetzt wieder ein paar Jahre, bis die Fehler ausgemerzt sind.
Ich bin in der Flugzeugindustrie und auch wir kämpfen immer wieder mit, wie weit gehen wir an den Rand des technisch Machbaren und wie weit holen wir uns wissentlich absehbare Obsolezenz ins Haus.
Es ist sehr einfach gesagt, "sie müssten ja nur auf die neuen Chips umsteigen". Es ist wesentlich komplizierter.