Vielleicht kann ich euch bald mal das andere Extrem präsentieren...jemand der sich ein abgehungertes Elektron um seine Batterie schert.
Er lädt fast immer auf 100% und hat bei 100% SoC eine Reichweite von ca. 350km...denn er nimmt auch kaum Rücksicht beim Beschleunigen und Rekuperieren. Er fährt immer in B, der Rest ist ihm zu nervig. Er lädt wo er muss und das mehrmals die Woche an einem Schnelllader. Für ihn muss der ENYAQ einfach funktionieren und das passt ihm aktuell nur so in den Alltag. Das kann man gut oder schlecht oder doof oder whatever finden...darüber kein Urteil, jeder ist frei in seinem Entscheid der Nutzung.
Der hat seinen ENYAQ 80x (mit 3.1 ab Werk) bald 6 Monate und ca. 25TKM gefahren (in CH) und da werde ich doch mal schauen was seine Werte so sagen...und vielleicht nach 12 Monaten nochmals. Und dann schau ich mir mal meinen an, der eher schonend gefahren wird (aber nicht wie ein rohes Ei auf der Achterbahn). Dann wissen wir mehr, da ich für beide Fahrzeuge wirklich weiss, wie sie gefahren und genutzt werden.
Aber selbst das ändert nicht an den grundsätzlich hier schon erwähnten Punkten und auch nichts an den grundlegenden physikalischen bzw. elektrochemischen Prozessen in einem NMC Akku. Hierzu gibt es diverse Fachliteratur die dies erklärt und diverse Bachelor, Masterarbeiten und andere Studien, die die Praxis untersuchen sowie von nahezu jedem Zellhersteller entsprechende Simulationen, teils auch frei online verfügbar.
Das Problem an der ganzen Übung ist, das es privat kaum machbar ist zu ermitteln was besonders akkuschonend ist sofern man es nicht auf diesem wissenschaftlichen Niveau macht. Denn wenn das das ziel ist, dann sollte man sich entsprechende Batteriemodelle aufbauen, in denen die physikalischen, chemischen und thermodynamischen Prozesse innerhalb der Batterie auf Basis des eigenen Nutzungsverhaltens nachgebildet und mit einander gekoppelt sind. Ausgehend davon lassen sich dann entsprechende Optimierungen simulieren, die zu dem gewünschten Grad an akkuschonendem Laden bzw. Nutzung führen.
Dies ist übrigens, was VW/Skoda machen, um die vorgegebenen Parameter der Batterie im BMC zu programmieren...wie maximaler Beaufschlagungsstrom in Abhängigkeit vom Ladestand, Temperatur etc. und das dann zu den erzielten Ladegeschwindigkeiten führt und zu dem ab und an eingeschränkten blauen und grünen Balken. Und das nicht weil sie nett sind, sondern damit ihre Garantie garantiert nicht aktiv genutzt wird (160TKM, 8 Jahre, 70% von der Nettokapazität gemäss Skoda = 77kWh bei 80/80x).
Privat empfiehlt sich einige wenige Grundregeln zu beachten:
- Langsamladen (AC) wann immer möglich
- nicht mehr als bis 80% laden wenn nicht mehr nötig
- wenn 100% nötig dann nicht unnötig lange stehen lassen
- lieber viele langsame als wenige schnelle Ladehübe
- lieber viele kurze als wenige grosse Ladehübe (schlecht sind Vollzyklen: 0-100%, besser sind 80er DOD*-Zyklen: 10-90%, noch besser sind sehr flache Zyklen: 46-60%) *DOD - Depth of discharge
- Moderates Beschleunigen auch im Interesse der eigenen Energiebilanz
- nicht unter 0% fahren, besser irgendwo bis siehe etwas weiter oben, Stichwort: flach zyklieren!
- und zum Schluss: Den ENYAQ nicht in der finnischen Sauna und nicht im Tiefkühlhaus vom freundlichen Fleischer nebenan parkieren wenn ihr ihn nicht nutzt. Denn die Hauptursache für kalendarische Alterung ist der temperaturabhängige, stetige Zerfall der Elektrolytkomponenten.
Oder es einfach machen wie mein Kollege...einfach fahren und nutzen. Wie gross der Unterschied wirklich ist, werden wir noch herausfinden.
Bleibt energiegeladen (aber übertreibt's mir nicht dabei
)