Die WLTP-Reichweite ist allein schon aus dem Grund i.d. Realität kaum erreichbar, weil das die Reichweite von Ladezustand 100% bis Ladezustand 0% ist.
100%-ige Ausnutzung des Energiespeichers ist bei E-Autos noch unrealistischer, als bei Verbrennern.
Bis 0% fährt niemand mit E-Auto, genau so wie niemand normal bis zum komplett entleerten Tank fährt.
Beim E-Auto kommt als Besonderheit hinzu, dass die Fahrleistung schon vor Erreichen von 0% bereits eingeschränkt ist.
Beim Verbrenner gibt es i.d.R. keine WLTP-Reichweitenangabe des Herstellers.
Weitere E-Auto Besonderheit:
Häufig (zudem empfohlen durch die Betriebsanleitung) ist der reale Ladeausgangszustand bei E-Autos nur ca 80%.
Mehr geht auf die Akkulebensdauer und vor allem auf die durchschnittliche Ladezeit.
Für einen Verbrennerfahrer gibt es keine 80% Empfehlung und die würde beim Verbrenner auch Null Sinn machen. Verbrenner werden i.d.R. bis 100% aufgetankt, was zudem keine Minute länger dauert.
Allein diese beiden Punkte erzeugen zwangsläufig erhöhten Unmut bei E-Fahrern gegenüber der WLTP-Reichweitenangabe.
Das die reale Reichweite bei E-Autos und geringen Temperaturen besonders stark sinkt, kommt hinzu.
Klar, der WLTP-Verbauch von E-Autos gilt unter gleichen Bedingungen, wie beim Verbrenner.
Gerade aber die WLTP-Reichweite, die es bei Verbrennern nicht gibt, weil Reichweite dort kein so wirklich großes Thema ist, ist ein besonderes Ärgernis, weil die aus genannten Gründen noch weniger Bezug zur Realität bei E-Autos hat, als der WLTP-Verbrauch.
Wenn es tatsächlich Ziel sein sollte, möglichst realistische Verbrauchs-/Reichweitentests auch für E-Autos zu realisieren, müsste man sich m.E. mehr an den genannten Besonderheiten von E-Autos orientieren.
1. Verbrauchsangabe für den ansonsten identischen WLTP-Test zusätzlich bei ausgekühltem E-Auto bei z.B. minus 5 Grad
2. Reichweitenangaben grundsätzlich nur mit 80% der maximal speicherbaren Energie und das zusätzlich auch bei ausgekühltem Auto.
Schön wäre es, sowohl bei Verbrennern, als auch bei E-Autos zumindest einen Verbrauchswert bei konstanter, höherer Konstantgeschwindkeit (z.B. AB-Richtgeschwindigkeit 130km/h), was dazu beitragen könnte, den realen AB-Verbrauch besser einschätzen zu können.
Dann wäre es z.B. von vornherein klar, dass ein Tesla Mod 3, gegenüber einem Enyaq, trotz ca. gleicher WLTP-Reichweite, auf der AB mit Richtgeschwindigkeit eine größere Reichweite schafft.