Wir sind vor fast 50 Jahren mit einem Peugeot 204 den Großklockner rauf und wieder runter. Das Problem für die meisten Fahrzeuge damals war das Hochfahren, nicht das Runterkommen. Im oberen Drittel standen zahlreiche Fahrzeuge mit kochendem Kühler am Straßenrand.
Beim Runterfahren hat mein Vater möglichst die Motorbremse eingesetzt und nur die Fußbremse betätigt, wo es nicht anders ging. Die Räder waren hinterher heiß, die Bremse hat aber klaglos durchgehalten.
Zu dem Zeitpunkt hatte der Peugeot gut 110.000 km auf dem Tacho und die Bremsflüssigkeit war mit Sicherheit mindestens 2 Jahre alt.
Gut, der 204 war beträchtlich leichter, dafür aber auch die Bremsanlage entsprechend kleiner dimensioniert. Räder waren 13", da passt nicht so viel rein. Innenbelüftete Bremsscheiben gab es damals für normale Fahrzeuge noch gar nicht.
Mit dem Argument sicher ist sicher lässt sich jede Diskussion erschlagen. Dabei ist jedes Standardintervall stets ein Kompromiss. Den Andere geschlossen haben und dabei worst-case im Blick haben. Persönlich mag man berechtigte Gründe haben, davon abzuweichen.
Wenn einer im Jahr wirklich 50-60 Tausend Kilometer fährt, muss er die Wartungsintervalle natürlich entsprechend anpassen. Dann sind jedes Jahr bei den meisten Herstellern wenigstens 2 Inspektionen fällig, bei meinem derzeitigen Fahrzeug nach Wartungsplan sogar 3 bis 4 (alle 15.000km).
Und da ist es sicher angebracht, die Bremsflüssigkeit alle 2 Jahre zu wechseln.
Die durchschnittliche Fahrleistung liegt aber eher bei 15.000 km/a, und da ist es sicher nicht verantwortungslos, den ersten Wechsel erst nach 4 Jahren zu machen und nicht bereits nach 2.
Der Vielfahrer mit 60 Tausend km/a hat die Fahrleistung eines Normalfahrers von 4 Jahren in einem Jahr. Wenn dann nach 2 Jahren der Tester bei der Flüssigkeit am Rad schon rot zeigt, sollte der Vielfahrer darüber nachdenken, das Wechselintervall auf jährlich zu verkürzen. Für ihn passt das Standardintervall 2 Jahre so wenig wie für den Normalfahrer eines Neuwagens in den ersten 4 Jahren.
Ich kann Alle verstehen, die sagen, ihnen kommt es auf die 50 Euro alle 2 Jahre nicht an und sie lassen es machen, wie es eben vorgesehen ist.
Aber in dieser Diskussion überhaupt kein Verständnis für die aufzubringen, die anderer Meinung sind, ist schon ein bisschen engstirnig.