Und nu habe ich mal versucht den WLTP nachzubauen...
Annahmen für Skoda Enyaq 85 Sportline FL:
Masse = 2222 kg
Stirnfläche = 2,54 m²
cW-Wert = 0,245 (Annahme, dass der niedrige Wert zu Sportline gehört)
Luftdichte = 1,2 kg/m³ (Seehöhe bei 23 °C)
Rollwiderstand = 0,009 (Reifen auf Rollenprüfstand, Energiespar Variante)
Wirkungsgrad Antrieb = 0,9 (Verluste Akkuentladen, Wechselrichter, Lager und Stirnradgetriebe 10%)
Dauerverbraucher = 0,3 kW (Steuergeräte, Bildschirme, etc.)
Ziel war es den WLTP rechnerisch zu bestimmen. Zielwert lt. WLTP ca. 13,7 kWh/100km.
Erreichen konnte ich das Ziel nur mit sehr niedrigen Rollwiderstand von 0,009 statt 0,012 (Rollenprüfstand hat evtl. niedrigere Rollwiderstände). Und beim Ausrollversuch sind die Reifenluftdrücke eher Maximal hoch.
Und der Wirkungsgrad vom Akku zum Reifen musste auf 0,9 (statt 0,85) verbessert werden (Akku ist sicherlich optimal konditioniert und alles kuschelig warm).
Unter der Annahme, dass für den WLTP alles Erlaubte optimiert wird, sind diese Anpassungen sicherlich nachvollziehbar.
In Realität würde ich weiterhin mit Wirkungsgrad Antrieb 0,85 und einem Rollwiderstand >= 0,012 arbeiten.
Das reale Nachladen der 12V Batterie, laufen lassen der Klimaanlage und meist niedrigere Temperaturen (WLTP Test bei 23 °C) ziehen schlechtere Wirkungsgrade nach sich.
So sieht das dann für den Skoda Enyaq 85 FL theoretisch aus:
skoda_enyaq85fl_wltp_diagramm.png
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Bzgl. Reifenlabel arbeite ich mit folgenden cr-Werten:
skoda_enyaq85fl_reifenlabel.png
Die original cr-Werte werden auf einem Trommelrollenprüfstand ermittelt (80km/h, mit 80% der Tragfähigkeit belastet).
Der in Realität wichtige cr-Wert korr. berücksichtigt noch die Straßenart. Ich verwende einen Korrektur Faktor von 1,6 um realistische Rollwiderstandswerte für typische Asphaltstraßen zu bestimmen.
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Das ganze kann man/frau jetzt anhand der Fahrwiderstandskoeffizienten aus der COC (Certificate of Conformity) abgleichen.
Auf Seite 3 unter 47.1.3.x Fahrwiderstandskoeffizienten sind die Fahrwiderstände für euren Enyaq dokumentiert.
Beispielswerte 1,6 t Audole:
47.1.3.0. f0 => 113,9 N
47.1.3.1. f1 => 0,646 N/(km/h)
47.1.3.2. f2 => 0,04005 N/(km/h) ²
Ermittelt werden diese Werte mittels eines Ausrollversuchs. Der Fahrwiderstand des Rollenprüfstandes wird dann entsprechend der ermittelten Fahrwiderstände eingestellt. Da ist dann der Rollwiderstand und Luftwiderstand enthalten. Es ist anzunehmen, dass beim Ausrollversuch der Reifenluftdruck auf Maximum ist...
Der Fahrwiderstand fges [N] ermittelt sich dann wie folgt: f0 + f1*(Geschwindigkeit km/h) + f2*(Geschwindigkeit km/h)²
Der Leistungsbedarf beim Fahren ermittelt sich dann Pges=fges*Geschwindigkeit [m/s]
Wer hat Lust seine Fahrwiderstandskoeffizienten aus der COC (Certificate of Conformity) und die Prüfmasse mal zu posten?
Damit kann man die Theorie ein wenig besser verstehen und schöne Diagramme machen...
Gruß
1NO8PLY, der wo Diagramme mag...